Mit dem WSC Gieboldehausen beim 36.Wesermarathon.

Ein Klingelton erreicht meine Ohrmuschel, es muß jetzt Sonntag sein. Durch eins meiner verschlafenen Augen wage ich ein Blick , es ist noch dunkel. Ich träume, denk ich noch so und dreh mich um. Aber das Klingel hört nicht auf. Da war doch was,

ja natürlich. Meine schnelle Begeisterungsfähigkeit hat wieder zugeschlagen und mich in diese Situation gebracht. Ich reiße die Augen auf, es ist 3:30 Uhr. Sch… wollte doch schon seit 30 Minuten auf den Beinen sein. Auf dem weg zur Dusche setze ich schnell noch eine Kanne Kaffee auf. Schnell angezogen und ein paar Sachen eingepackt und ab ins Auto. Auf dem Weg nach Gieboldehausen geht mir wieder durch den Kopf, auf was hab ich mich da wieder eingelassen, und niemand hat vorher gesagt, das wir mitten in der Nacht auch noch an einem Sonntag aus den Federn müssen.
Meine Leidensgenossen sind Irene, Klaus, Nicole, Maik, Uwe, Claudia und Winfried. Ja und wir wohlen uns tatsächlich den 36. Wesermarathon antun. Kurz vor Gieboldehausen meldet sich mein Handy, und was ich schon befürchtet habe geschieht in dem Moment. Maik ist dran und fragt freundlich, aber auch noch etwas verschlafend nach, ob ich verschlafen habe.
Wenig später stehe ich bei Nicole und Maik vor der Haustür. Die Sachen von den beiden und natürlich die beiden selber in mein Auto verstaut und ab zu Irene und Klaus. Wo Maik gestern Abend schon sein gepacktes Auto auf dem Hof abgestellt hat. Als wir gerade die restlichen Sachen aus meinem Auto in Maiks laden, kommt Winfried um die Ecke gebogen mit Claudia, Uwe und deren Kajaks an Bord.
Nach einer kurzen Planung wer wo mit fährt, und niemand die Planung beachtet, fahren wir los. Auf zum Wesermarathon. Und wie es sich gehört packe ich am Ortsausgangsschild mein Frühstück und Kaffee aus. Der Morgen war wieder in Ordnung.
Nach einer relativ kurzen Fahrt kommen wir in Hann.Münden an. Überall halten Autos mitten auf der Straße und blockieren diese. Toll auf was hab ich mich da eingelassen. Aber nach dem wir uns durch die packenden Wagen gedrängelt haben, finden wir direkt am Wasser zwei Parkplätze.
Die Boote werden abgeladen und die wichtigsten Sachen wie Getränke, Sonnencreme, Fotoapparat und Müsliriegel verstaut. Und los gehts aufs Wasser. Als ich mit meinem Kajak auf dem Wasser bin hab ich das erste mal die Muse die Landschaft und die morgendliche Stimmung zu genießen. Zu meine verwundern sind gar nicht so viele Boote in diesem Moment auf dem Wasser. Sollte das doch ein Vorteil sein das wir nicht gleich um 6 Uhr mit gestartet sind.
Wir sind alle auf dem Wasser, bis auf Irene die sich bereit erklärt hat die rolle der Ufermaus zu übernehmen. Mein blick geht rüber zu Nicole, sie paddelt in einem geliehen Kajak das Sie zum ersten mal paddelt und dann auch noch mit einer Steueranlage. Ich frag mich nur wie man das eigentlich macht mit dem Steuern, da ich auch noch nie in einem Kajak mit Steuer gepaddelt bin. Hut ab.
Die erste Zeit bleiben wir alle zusammen, bis Maik meint, daß das Nicole nur nervöser macht. Ich paddel ein bisschen vor. Klaus und Winfried haben sich schon ein wenig abgesetzt und bei dem Versuch hinterher zukommen muß ich ganz schön das Paddel kreisen lassen. Was zur Folge hatte, das die beiden kurze Zeit später als kleine Punkte vor mir sind, und die anderen ein ganzes Stück hinter mir.
Hinter mir kämpft Nicole mit der Steuerung und versucht es mal mit und ohne sie. Maik, Claudia und Uwe bleiben als Begleitung bei Ihr. Aber viel schlimmer sind für Nicole wohl die anderen Paddler die mit einem freundlichen „Guten Morgen“ an ihr vorbei fahren. Nein nicht weil diese vorbei fahren, sonder weil Nicole Morgens erst mal ihre Ruhe haben möchte. Ich glaub das kann jeder nach voll ziehen der Morgens vielleicht erst sein Kaffee, Zigarette und/oder Zeitung braucht bevor der Tag los gehen kann.
In der Zwischenzeit hab ich zu Winfried und Klaus aufgeschlossen, aber nur da Sie mal einige Minuten nicht gepaddelt haben. Aber auch dieses war nur von kurzer Zeit, Klaus schwang das Paddel und der Abstand wurde immer größer. Klaus erinnert mich in dem Moment an ein Aufziehspielzeug, sein Paddelschlag war gleichmäßig und ohne großen Kraftaufwand. Was mal wieder zeigt das Technik mehr macht als Kraft. Auch Winfried war die ganze Zeit so unterwegs, aber er legte ein Gang weniger ein und ich konnte gut mithalten. Was auch gut ist. So bekomme ich noch einige Tricks und Kniffe mit um besser so eine Distanz zu paddeln. Und so kann ich mit ruhigem Gewissen sagen, es sind nicht viele unterwegs die Ihren persönlichen Trainer dabei haben.

Die Weser zeigte sich am Morgen von Ihrer schönsten Seite. Die Sonne färbte den wolkenlosen Himmel in Blau, Gelb und Orangtöne. Über dem Wasser legte sich stellen weise ein leichter Morgennebel. In den kleine Wellen brachen sich die Sonnenstrahlen und das Wasser glitzerte an allen stellen wie eine Spiegelkugel. Auch die Tierwelt gab ihr Bestes und die Vögel mit ihrem Gesang dem Ganzen noch den entsprechenden Rahmen. Zu diesem Wunderschönen Naturschauspiel kam noch die Parade an Booten, Ruderboote mit Steuermann (frau), Kanadier mit 8 Paddlern und mehr, Tourenkajaks ja so gar einige Rennkajaks. Aus allen Himmelsrichtungen des Landes kommen Sie, und auch aus dem hohen Skandinavien erblickte ich Kajaks.

In Gieselwerder wartete schon Irene am Ufer. Und wir sammelten uns da zur ersten Pause. Nach ein wenig Kaffee, Tee und was zwischen den Zähnen, ging es weiter. Aber zu vor konnten wir noch die Paddeljacken ablegen und etwas Sonnencreme auflegen. Diese klein Frühstückspause, vor allem die Tasse Kaffee, tat auch Nicole gut, die hier schon überlegt hat auf zu hören. Aber was Zaubertrank für Asterix ist Kaffee für Nicole.
Weiter ging es bei schönstem Sonnenschein. Mit Klaus und Winfried paddelte ich wieder etwas vor, Claudia, Uwe und Maik begleiteten Nicole die dank Kaffee wieder hoch motviert war. Mhh… ist Kaffee eigentlich ein Dopingmittel ??? Eine knifflige Frage und dann noch im Breitensport.

Das ein großer Fluss auch seine Reize hat, zeigte die Weser weiter mit ihrer Landschaft und Tierweld. Dank Winfried, der mich immer wieder auch auf Kleinigkeiten am Ufer hinwies und auch sagen konnte, welches von den gefiederten Freunden uns ein Liedchen zwitscherte, verging die Zeit wie im Fluge. Ich staunte nicht schlecht als wir auf einmal am linken Ufer anlegen. Wir waren schon an dem Zielpunkt, Beverungen Km 53, ein Stück vorbei gepaddelt. Auch hier erwartete uns Irene wieder und verwöhnte uns mit einem leckeren Mittagspicknick. Zu dem jeder vorher etwas vorbereitet hat. Ich versuchte die Restlichen super genialen Geflügelbuletten, die Irene gemacht hat, als Vorrat in meinem Kajak verschwinden zu lassen. Aber leider wird es bemerkt und mit lauten Protest quittiert.
Mittlerweile war es ab und zu etwas windig geworden, und wir überlegten, ob und wer noch weiter paddeln will. Was nach diesem schönen und reichlichen Picknick nicht gerade einfacher war. Das Wetter und die Wiese verlockten doch eher zu einem kleinen Mittagsschläfchen. Aber was soll es, wir sind ja zum paddeln hier. Und so gingen Claudia, Uwe, Winfried und meine Wenigkeit wieder aufs Wasser.
Claudia und Uwe paddelten diesmal vor und waren schon nach kurzer Zeit nur noch als Farbpunkte am Horizont zu sehen. Winfried begleitet mich beim versuch das nächste Ziel zu erreichen. Ich schaute doch ein wenig neidisch hinter Claudia und Uwe hinterher. Liegt das an der besseren Technik oder den schönen Tourenkajaks die sie haben. Nahja glaub an beiden, also der Trend geht ja zum Drittboot, mal schauen ob es im nächsten Jahr nicht zu einem Tourenkajak reicht.

Die Weser und die Sonne meinten es weiter gut mit uns. Bis auf einige Windböen, die ich durch einigen Tricks und Tipps von Winfried meisterte.
Auch hier ging die Zeit eigentlich wie im Flug vorbei. Eigentlich ! Denn die letzten 2 Km hat jemand vergessen den Wind abzustellen. Ich fühlte mich ganz fit, aber diese letzten 2 Km schafften mich dann doch. Wie ich noch feststellen sollte.

Links am Ufer tauchte der Zielpunkt Holzminden auf, war er das wirklich? Jede Menge Kajaks am Ufer, aber nirgends sehe ich Claudia und Uwe oder Ihre Kajaks. Und Winfried habe ich ein Stück hinter mir gelassen, also das muss hier richtig sein. Ja und da sah ich die beiden, wie Sie am Kontrollpunkt stehen. Ja, hier muss ich raus. Aber was ist das, die Arme waren recht schwach beim versuch meinen Allerwertesten aus dem Boot zu hieven, und die Beine waren auch wie auf Gummibändern aufgezogen. Man gut das niemand sieht wie ich aussteige, sieht mit Sicherheit zum schießen aus. Aber wie ich noch feststellte, ging es andern Paddlern auch nicht besser. Ich holte mein Combi aus dem Wasser und entledigte mich gerade meiner Spritzdecke da kam auch Winfried angepaddelt. Schnell noch Winfrieds Kajak ans Land geholt und dann suchten wir Claudia und Uwe. Bei einem kühlen Getränk warten wir auf Irene, Nicole, Klaus und Maik und als Sie uns gefunden haben, gibt es erst mal eine Tasse Kaffee und Kuchen, den Claudia beigesteuert hat.
So gestärkt laden wir die Boote auf und verstauen unsere Sachen. Noch einen kleinen Abstecher zu einem Befreundeten Kajak-Club, und wir machen uns auf nach Hause.

In Gieboldehausen angekommen sortieren wir die wahllos in den Wagen verteilten Sachen. Machen uns noch über den restlichen Kartoffelsalat her und lassen den Tag bei Irene und Klaus im Hof bei einem Kaffee ausklingen.
Tja und ich überlege, wenn ich früher anfange zu trainierer und ein schnittiges Tourenkajak mir besorge, sind dann die 134 Km im nächsten Jahr zu schaffen…. ???